Sonnenstrahlen

Komprimiert - gezippt würde man im IT-Neudeutsch wohl sagen - fliegt das Land vorbei. Doch vielleicht ist das die falsche Metapher. Beschleunigt. Als ob jemand dieser riesigen Kugel einen Stoß gegeben hätte, gleitet die Welt unter mir hindurch.

Nur Happen werden gereicht. Ein Baumwipfel, goldgelb leuchtend vom Abschiedskuss des schwindenden Abendlichtes. Eine ärmlich wirkende Fichte, kaum als Baum zu bezeichnen. Ein Stamm, an dem einige wenige, besonders stolze Ästlein grün die letzte Stellung halten. Vor dem blau-weiß des bayerischen Himmels wirkt das einsame Gewächs schüchtern. Verloren vor dem Horizont.

Und noch einmal gewinnt die Sonne den Kampf gegen die Wand aus Wolken. Blitzend grüßen die Masten der Oberleitung zurück. Sie strecken sich den Strahlen entgegen. Recken und räkeln sich im sanften Frühlingslicht. Und zucken zurück, als eine herzlose Wolke die Freude beendet.

Nun kämpft die Lichtkugel wieder. Schüttelt ihren Widersacher ab und lächelt. Lässt die Straße ohne schlechtes Gewissen im Schatten liegen, nimmt sich der Dächer und Hügel an. Wie imaginäre Sonnenanbeter erfreuen sich die Ziegel an dieser Güte und teilen ihr Glück freimütig mit Feldern und Bäumen. Selbst die Funkmasten dürfen den Anflug von Frühling am eigenen Leibe spüren.

Und die Wolken? Lassen Gnade vor Recht ergehen und ziehen sich in Fetzen zurück. In saftigem Blassblau, das nur der Frühling erwecken kann und das nur im Kontrast zum freundlichen Watte-Weiß seine Wirkung entfaltet, schreit der Himmel sein Glück herab.

Schwarze, mistelbehangene Gerippe setzen sich pittoresk vor diese einmalige Bühne, als wollten sie mahnen, dass der Kampf noch nicht vorbei ist. Doch diese Schlacht hat der Frühling für sich entschieden.

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