Es ist eine krächzende Jungenstimme. Aber sie gibt sich Mühe. ‘Gebt mir ein F’. Ein fünf-kehliger Chor antwortet ‘F’. ‘Gebt mir ein C’. Man kann sich den Rest vorstellen. Der Junge müht sich redlich. Aber es klingt nicht beeindruckend. Doch es lässt mich lächeln.
Kurz darauf. Ein roter, zweistöckiger Regionalzug kommt sanft zum Stehen. Die Türen öffnen sich, heraus kommt eine singende Meute. Sie stimmen ein Lied an, das mit dem Ruhmreichen zu tun hat. Es klingt schräg, hat aber schopn wesentlich mehr Volumen, als der Nachwuchs zuvor. Wieder freue ich mich, und lächele.
Es ist nicht allzu lange her, da hat man, wenn man am Nürnberger Bahnhof derartigen Menschenansammlungen begegnete, eher Mitleid als Freude gespürt. Man ahnte, dass die Ärmsten am Abend mit hängenden Köpfen ihr Seidla zu sich nehmen mussten.
Wenn man sich selbst mal ins Stadion wagte, war es meist ein Akt unvernünftiger Hoffnung. Man feierte die Aufstiege, um nicht lange später wieder über den Abstieg zu trauern. Den versprengten Fangrüppchen wollte man auf die Schulter klopfen und tröstende Worte spenden.
Und jetzt: Steht man am Rot-Schwarz eingefärbten Bahnhof und spürt immer noch Bedauern. Das Bedauern, jetzt in den Zug nach München steigen zu müssen, statt in die S-Bahn zum Stadion. Bedauern, nicht im Stadion zu sitzen, wenn der Club weiter am Traum von Europa arbeitet.
Keine skeptischen Gesichter mehr am Bahnhof, Nürnberg ist eine fröhliche Fußballstadt geworden. Man gibt offen zu, ins Stadion zu gehen, und immer mehr gehen mit. Es wurde aber auch Zeit.
Früher war Cottbus immer ein ganz gefährliches Team, mit dem der Club um den Abstieg kämpfte. Heute können sie dankbar sein, dass die Jungs gnädig waren, und es bei einem 1:0 belassen haben.