Zugreise

Es wird dunkel. Nicht mehr langsam, nein, die Nacht fällt jetzt mit Wucht herab. Bayerische Hügel huschen vorbei, verschämt verschwinden sie aus meinem Blick, kaum, dass ich sie erspähe. Träge folgen meine Augen, lustlos nur nehmen sie Reize an. Heimatlos. So ziehe ich durch Bayern. Süd nach Nord. Nord nach Süd. Ohne Ruhe, ohne Entspannung.

Keine Konversation. Niemand spricht in diesem Zug. Jeder vermeidet den Blick des anderen. Eine Reisegesellschaft von stummen Anonymen. Bücherseiten werden gewendet, Tasten herabgedrückt. Ein Marker verschlingt Buchstaben, ertränkt sie in gelbem Neon.

In der andächtigen Stille dieses Waggons, nur durchbrochen von gelegentlichem, gedämpften Rattern der Räder auf den Schienen, gleiten diese Menschen Richtung Norden. Ob es das hübsche Mädchen mir gegenüber ist, das auf der Suche nach einer angenehmen Schlafposition dem Verzweifeln nahe ist, der junge Mann im Feuerwehr-Pullover, der angestrengt in seinen Laptop starrt, oder der bunt längsgestreifte Mittvierziger, der konzentriert Absätze einfärbt. Sie alle ruhen. Sie verharren. Abgekapselt. In der Gruppe alleine.

Und zu allem singt Damien Rice. Von Liebe und Herzschmerz. Mit zu großem Pathos und dennoch lässig. Er singt weiter, als es schließlich dunkel ist. “Come on courage teach me to be shy.” Vielleicht saß er im Zug, als er das schrieb.

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WM-Nachtrag

Im zuge der “Deutschland. Ein Sommermärchen”-Euphorie, klaue ich unverschämt von meinem ehemaligen Auftraggeber. Der beste Beitrag des kicker-WM-Tagebuchs.

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Das WM-Tagebuch der kicker-Redaktion: Oliver Birkner

Das Turnier der Frauen

“Wenn der Torwart ein Eigentor hält, ist das dann Tor oder nicht?” Ich sitze am Küchentisch und sehe meine Mutter entgeistert an. Wie oft wurde man im Leben schon von Frauenfragen ausgekontert, doch diese WM ist die Apotheose alles bislang Dagewesenen. Denn diese WM ist eigentlich das Turnier der Frauen.

Vier Wochen lang wollen sie einmal das machen und verstehen, was ihre Männer das ganze Jahr über machen, wenn sie samstags gegen 13 Uhr in einem Parallel-Universum verschwinden. Fiebern, zittern, trinken, Bratwurst essen, jubeln, weinen, Schiedsrichter-Entscheidungen diskutieren und nebenher den nächsten Gegner sezieren.

“Ein Tor kann man nicht halten”, sage ich. “Und immer wenn der Torwart hält, dann ist es auch kein Tor.” Das stellt meine Mutter zufrieden. Doch ich weiß, dass irgendwo im Kopf der Frau, den wir ja ohnehin oft verzweifelt versuchen zu ergründen, der nächste fußballerische Hinterhalt lauert. “Die Holländer sind ja bekannt für ihre harte Spielweise”, sagte sie letztens. Wonach meine Freundin wild nickend hinzufügte: “Stimmt. Und die Italiener stehen wie immer hinten sehr kompakt.” Mehr denn je machen mir die Frauen während dieser WM-Extravaganz in unserem Lande Angst.

Dabei dachte ich mir kürzlich, dass die anderen und besseren Hälften in Italien häufiger ins Stadion gehen und taktisch einen Tick vorne liegen. In meinen sieben Jahren auf der Halbinsel veranschaulichte mir meine Bekannte Sabrina einmal per Bierdeckel den Unterschied zwischen der Taktik von Arrigo Sacchi und Giovanni Trapattoni. Wobei die Bierdeckel bei der Trap-Taktik alle gefährlich vor dem imaginären Tor übereinander lagen. Eine Veronica untersuchte am Vorabend der Partie meines Teams Bologna gegen Inter mal akribisch alle Defensiv-Schwächen der Mailänder. Tatsächlich gewannen wir in San Siro über die “schwache linke Seite” der Interisti 1:0. Es gab aber auch Eva. Die forderte immer mehr Bälle auf dem Platz, größere Tore, eine verkürzte Spielzeit und sagte ständig: “Hey, ist doch alles nur ein …” - Sie wissen schon, dieser Satz, der Männern das Blut mit Lichtgeschwindigkeit durch die Adern pumpt.

Am Dienstagabend ist es nicht nur ein … Ich hätte das Duell zwischen Italien und Deutschland gern vermieden, denn mein innerer Sympathie-Kampf zwischen beiden Ländern lässt mich seit Tagen kaum schlafen. Was meinen Augenzustand ein bisschen an Willi erinnern lässt, der am Kiosk nebenan morgens um 11 auch gerne mal das dritte Bier öffnet. “Wenn es heute Elfmeterschießen gibt…”, beginnt meine Mutter plötzlich und allein der Gedanke daran drückt Schweißperlen an Körperstellen, wo Schweiß eigentlich zuvor noch nie auftrat. “Wenn es Elfmeterschießen gibt, ist dann sofort Schluss, wenn der Erste verschießt?”

Egal, wie die Partie heute Abend ausgeht, eines weiß ich sicher: Für all die Geduld, wenn ich während der letzten Wochen vor einem Spiel im TV cholerisch “Ruhe!” schrie, für all die Ruhe, die dann auch einkehrte, für all die Fragen, für all das Interesse, für all das Mitfeiern werde ich mich repräsentativ nach der WM bei den Frauen revanchieren, die mir nahestehen. Vielleicht ohne Hitzewellen die 56. Tasche im Laden mitbegutachten. Meiner Mutter in aller Ruhe zum 26. Mal bestätigen, dass es geschmeckt hat. Und meine Freundin vielleicht völlig unerwartet mal fragen: “Trägt man Wimperntusche eigentlich von oben nach unten auf, oder von unten nach oben?”

Oliver Birkner

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Borat aus Kasachstan

Lustig…

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Magie…

Wenn das mal nicht lustig ist…

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Pendlerleben

Auf dem Land zu leben ist schön. Ohne Frage. Jeder der mich kennt, weiß dass ich ein Landei bin. Nach München ziehen zu müssen, in die Stadt - noch dazu in jene, die ich für die arroganteste Deutschlands halte - war also der Super-GAU für mich.

Im Moment wohne ich bei einem Kollegen nahe dem Ammersee. Dort ist es ruhig, grün, idyllisch. Ländlich schön eben. Geltendorf (so heißt der Ort) liegt etwa 40 km vor den Toren Münchens. Was das bedeutet? Mühsames Pendlerleben. Eine gute halbe Stunde braucht der Regionalexpress, fast 45 Minuten die S-Bahn, deren Endstation Geltendorf ist.

Viel Zeit, um andere Leute zu beobachten, aber auch viel Zeit, die man anders besser nutzen könnte. Heute: Papa flüstert Töchterchen ins Ohr. Etwa zwei Minuten. Mit einem hämischen Grinsen. Scheinbar macht er sich über irgend etwas lustig. Töchterchen: völlig regungslos starrt sie in eine andere Richtung. Dreht sich langsam zu ihrem Vater um. Dann nimmt sie den unter ihren Haaren gut verborgenen Kopfhörer aus dem Ohr. “Redest du mit mir?” Papa winkt frustriert ab. Lustiger wurde es während der Fahrt leider nicht…

Deshalb hier heute etwas, das niedergeschrieben werden muss, da ich es sonst leugnen werde. Ich werde trotzdem schon bald behaupten, so etwas nie gedacht, geschweige denn geschrieben und gespeichert zu haben: Landleben langweilt! Ich will zurück in die Stadt!

So weit ist es schon…

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Pleiten, Pech und Pannen

Ihr kennt doch sicherlich alle die Familien, wie z.B. die Ford-Familie, die seit Generationen nur diese eine Automarke fahren oder die ich-fahr-jedes-Jahr-an-den-gleichen-Strand-Familie. Wahrscheinlich wisst Ihr´s ja, aber falls nicht, ich lebe in einer Siemens Familie. Vom Herd bis zum Fernseher prägen Siemensgeräte unser Haus. Wenn es einen Gitarrenverstärker vom Großkonzern gäb, hätt ich bestimmt auch einen und könnte mir meinen Marshall ganz schnell sonst wo hindenken.

Naja Ok die Sache ist, dass der Meier seinen Handy-Vertrag verlängert hat und letzte Woche auf seinem Wunschzettel für zwei Jahre treue, das super coole neue Klapp-Handy von BenQ-Siemens stand. Der Schock kam gestern Morgen beim Frühstück…. BenQ-Siemens gibt’s nicht mehr. Na toll ! Jetzt gibt’s keine regelmäßigen Software Updates usw. Da kann ich eigentlich nur noch mit der einen Sache angeben: “Clamshell auf“….“Clamshell zu“ und das langweilt mich !
An alle die sich verstreut fühlen oder die grad eben von “Daham“ weit weg sind, möchte ich mit meinen ersten Eintrag bei bocksenstopp klarstellen, dass wir das schon hinkriegen !
„Heimat ist kein Ort, sondern ein Gefühl“ ! Heute Abend feiert der Roman Geburtstag. An dieser Stelle Herzlichen Glückwunsch und bis später meine Freunde !

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Golfen…

Gestern habe ich John Gage kennengelernt. Da werden sich jetzt die meisten fragen: “Wer bitte ist John Gage?” Und diejenigen, die aus irgendeinem Grund wissen, dass John einer der Gründungsväter von Sun Microsystems ist und mittlerweile als Suns Chief Researcher durch die Welt reist, werden fragen: “Was hat das mit Golfspielen zu tun?”

Berechtigte Fragen, prompte Antworten. John Gage ist ein drolliger, sportlicher Mittsechziger, der von Sun sicher viel Geld dafür bekommt, durch die Welt zu ziehen und seine Visionen über vernetzte Gesellschaft und die Zukunft der IT-Branche zu verbreiten. Ein entspannter Mensch. Wieso drollig? Den ganzen Tag rannte er mit seinem aufgeklappten Notebook in der Hand im Golfclub umher und suchte einen WiFi-Access-Point. Er ließ sich auch nicht durch die Zusicherung des Managers abhalten, es gäbe dort draußen weder DSL noch WLAN. John trottete also weiter, mal hierhin, mal dorthin. Einen Access Point fand er freilich nicht. Trotz aller Hartnäckigkeit.

Die Geschichte soll aber keinesfalls den Eindruck vermitteln, John sei ein komischer Kauz. Vielmehr ist er ein hochinteressanter, interessierter Gesprächspartner, begeisterungsfähig und motivierend. Ein Redner, der 45 Minuten spricht und Journalisten mit freudig glänzenden Augen zurücklässt. Ein freudiger Beobachter, der über das Oktoberfest zieht und sich nicht sattsehen kann an den feiernden Besuchern. Und der einem das am nächsten Tag mit größter Freude erzählt.

Ach ja, der Titel dieses Eintrags: wir hatten ein Executive Briefing für Sun am Golfplatz Gut Häusern veranstaltet. Schöne Location, gelungene Veranstaltung. Und so golften wir natürlich auch ein bisschen. 19 Golfanfänger und ein Amateur versuchten auf dem Green ihre Bälle ins Loch zu putten. Das war unterhaltsam und kommunikativ zugleich.

Und ich musste feststellen: Golfen macht Spaß. Sollte ich wiederholen.

Scheiße: kaum drei Monate in München, schon werde ich zum golfenden Snob. Wird Zeit fürs Wochenende in der fränkischen Idylle…

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U-Bahn zur Wiesnzeit….

Die versprochenen Lachen aus frisch Erbrochenem habe ich bislang noch nicht gesehen. Aber auch so ist U-Bahn-Fahren im Moment großes Tennis. Man kennt die Bilder aus Japan, wo zur Stoßzeit extra “U-Bahn-Schlichter” dafür sorgen, dass kein qcm in den Waggons ungenutzt bleibt. Auch an der Theresienwiese stehen reihenweise nette Menschen in orangefarbenen Warnwesten, die für geordnetes Einsteigen sorgen sollen. Zudem animiert ein “Stadionsprecher” in feinstem Münchnerisch die wartende Meute. Die ist übrigens die eigentliche Attraktion…

Vom erstmals richtig betrunkenen Teenager bis zum (vielleicht) letztmals betrunkenen Senior ist alles vertreten. Babys werden kreischend mitgeschleppt, Familien mühen sich verzweifelt um Zusammenhalt und die wenigen Berufspendler - zu denen ich gehöre - sind schmückendes - nein, eigentlich eher störendes - Beiwerk. Ab dem Hauptbahnhof ist der Spuk dann größtenteils wieder vorbei. Dann bekommen wir “professionellen” U-Bahn-Fahrer wieder die Mehrheit, die Dirndl und Lederhosen werden zu vereinzelten, exotischen Phänomenen.

Ach ja, eine Kotzlache habe ich doch noch erleben dürfen. Zwischen U-Bahn-Halte und Büro grüßten dieser Tage die Überbleibsel eines üppigen Wiesenbesuchs vom Gehsteig. Na dann Mahlzeit!

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Los gehts…

Sooo…. Der bocksenstopp, dieses klassische Instrument modernen Networkings ;-) ist ja leider irgendwie Geschichte. Die bocks ist verlassen, der bocksen in München und auch sonst hat es uns alle in die weite Welt Süddeutschlands zerstreut. Das ist schade. Sehr schade sogar.

Zum Glück gibt es Web 2.0. Wer heutzutage keinen Blog schreibt ist ja irgendwie nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Darum: Auf gehts, liebe bocksenstopper! Schreibt rein, was bei Euch so passiert. Alltägliches, Außergewöhnliches, Sex, Crime, Rock’n'Roll was eben so los ist in euren Jungdynamiker-Leben.

Stay tuned…

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