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Zeitfortschritt

Puh. Vor fast exakt einem Jahr bin ich nach München gefahren, um hier einen Probetag zu arbeiten. Keine drei Wochen später saß ich hier im Büro und war Volontär. Jetzt bin ich Junior Berater und die Zeit ist nur so weg geflogen. Einerseits. Andererseits kommt es mir so vor, als ob es schon ewig her ist, dass ich in meinem muffigen Dreckloch in Perlach das München-Abenteuer begonnen habe.

Heute bin ich 28 geworden. Auf jeden Fall ein gutes Alter, um endlich in einer anderen Stadt ein eigenständiges Leben zu führen. Es ist, glaube ich, erst der zweite Geburtstag in meinem Leben, den ich außerhalb Burgthanns verbringe. Es ist das erste Mal seit ich mich erinnern kann, dass ich keine Minute auf der Burgthanner Kirchweih war. Und das komische ist: ja, das beschäftigt mich ernsthaft. Tief gewachsene Wurzeln sind schwer auszugraben.

In vier Tagen kann ich meine alte Burgthanner Wohnung, die bocks, nicht mehr betreten. Dann wohnen da andere Menschen und die Wohnung ist vermietet. Auch ein komisches Gefühl. Als wir vor kurzem die Wohnung ausgeräumt haben, war das alles noch nicht so extrem hart. Aber jetzt fehlt mir meine Traumwohnung. Nie mehr betrunken aufs Dach klettern, um die Sterne zu bewundern. Schade!

Nebenbei: eigentlich ist es echt schön hier in München. Meine Arbeit macht Spaß, die Wohnung ist toll. Alles bestens. Aber dieser kleine Ort im schönen Mittelfranken – unweit der Grenze zur Oberpfalz – fehlt mir trotzdem. Bleibt halt doch meine Heimat.

Mal schauen, wie ich darüber in einem Jahr denke. Jetzt gehe ich erst mal ins Last Supper essen. Toller Laden. www.restaurant-lastsupper.de

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Im Strom der Zeit

Manchmal arbeite ich ja auch was. Also eigentlich meistens. Zuletzt sehr viel.
Das sieht man daran, dass ich lange nix hier rein geschrieben habe.

Der Grund: Die Sun EcoTour. Riesenorgaaufwand. Aber jetzt geht sie los. Gestern bin ich im EcoRider einmal um den Block gefahren, heute ist der Launch.

Deshalb unbedingt anschauen: www.im-strom-der-zeit.de

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Sonnenstrahlen

Komprimiert – gezippt würde man im IT-Neudeutsch wohl sagen – fliegt das Land vorbei. Doch vielleicht ist das die falsche Metapher. Beschleunigt. Als ob jemand dieser riesigen Kugel einen Stoß gegeben hätte, gleitet die Welt unter mir hindurch.

Nur Happen werden gereicht. Ein Baumwipfel, goldgelb leuchtend vom Abschiedskuss des schwindenden Abendlichtes. Eine ärmlich wirkende Fichte, kaum als Baum zu bezeichnen. Ein Stamm, an dem einige wenige, besonders stolze Ästlein grün die letzte Stellung halten. Vor dem blau-weiß des bayerischen Himmels wirkt das einsame Gewächs schüchtern. Verloren vor dem Horizont.

Und noch einmal gewinnt die Sonne den Kampf gegen die Wand aus Wolken. Blitzend grüßen die Masten der Oberleitung zurück. Sie strecken sich den Strahlen entgegen. Recken und räkeln sich im sanften Frühlingslicht. Und zucken zurück, als eine herzlose Wolke die Freude beendet.

Nun kämpft die Lichtkugel wieder. Schüttelt ihren Widersacher ab und lächelt. Lässt die Straße ohne schlechtes Gewissen im Schatten liegen, nimmt sich der Dächer und Hügel an. Wie imaginäre Sonnenanbeter erfreuen sich die Ziegel an dieser Güte und teilen ihr Glück freimütig mit Feldern und Bäumen. Selbst die Funkmasten dürfen den Anflug von Frühling am eigenen Leibe spüren.

Und die Wolken? Lassen Gnade vor Recht ergehen und ziehen sich in Fetzen zurück. In saftigem Blassblau, das nur der Frühling erwecken kann und das nur im Kontrast zum freundlichen Watte-Weiß seine Wirkung entfaltet, schreit der Himmel sein Glück herab.

Schwarze, mistelbehangene Gerippe setzen sich pittoresk vor diese einmalige Bühne, als wollten sie mahnen, dass der Kampf noch nicht vorbei ist. Doch diese Schlacht hat der Frühling für sich entschieden.

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En el Muelle de San Blas

Ist so ein schöner Songtext, dass ich ihn endlich mal posten muss. En el Muelle de San Blas von Manà
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Es war ein ganz normaler Abschied.
Er ging an Bord, draußen an der Mole San Blas
und sagte, dass er wiederkommen würde.
Sie weinte dabei.
Und sagte, dass sie auf ihn warten würde.
Und sie wartete. Monatelang. 1000 Monate lang.
Abend für Abend stand sie draußen an der Mole,
und diese Abende setzten sich in ihrem Haar fest,
zeichneten sich um ihre Lippen ab.

Sie hatte immer das gleiche Kleid an,
damit er sie auch sicher wiedererkennen würde, wenn er zurückkäme.
Stand da. Bewegnungslos. Festgewachsen.
Die Krebse krochen auf ihr rum,
fraßen ihr das Kleid vom Leib,
die Illusion aus dem Kopf,
die Trauer aus der Seele.
Ihre Augen füllten sich mit all den Sonnenaufgängen,
ihr Körper schlug Wurzeln, und ihre Liebe nahm das Meer für sich.

Ihre Haare waren schlohweiß geworden,
über all die Schiffe, die kamen, und auf denen er niemals war.
Die Leute im Dorf sagten, dass sie verrückt geworden sei.
Eines Abends, es muss im April gewesen sein,
da versuchte man, sie in ein Kloster zu bringen.
Aber keiner konnte sie von der Stelle bewegen.
Sie war am Meer festgewachsen. Sie blieb.
Allein mit der Sonne, allein mit dem Meer.
Blieb bis zum Ende draußen an der Mole San Blas.
Allein.

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Wintermärchen

Es ist eine krächzende Jungenstimme. Aber sie gibt sich Mühe. ‘Gebt mir ein F’. Ein fünf-kehliger Chor antwortet ‘F’. ‘Gebt mir ein C’. Man kann sich den Rest vorstellen. Der Junge müht sich redlich. Aber es klingt nicht beeindruckend. Doch es lässt mich lächeln.

Kurz darauf. Ein roter, zweistöckiger Regionalzug kommt sanft zum Stehen. Die Türen öffnen sich, heraus kommt eine singende Meute. Sie stimmen ein Lied an, das mit dem Ruhmreichen zu tun hat. Es klingt schräg, hat aber schopn wesentlich mehr Volumen, als der Nachwuchs zuvor. Wieder freue ich mich, und lächele.

Es ist nicht allzu lange her, da hat man, wenn man am Nürnberger Bahnhof derartigen Menschenansammlungen begegnete, eher Mitleid als Freude gespürt. Man ahnte, dass die Ärmsten am Abend mit hängenden Köpfen ihr Seidla zu sich nehmen mussten.

Wenn man sich selbst mal ins Stadion wagte, war es meist ein Akt unvernünftiger Hoffnung. Man feierte die Aufstiege, um nicht lange später wieder über den Abstieg zu trauern. Den versprengten Fangrüppchen wollte man auf die Schulter klopfen und tröstende Worte spenden.

Und jetzt: Steht man am Rot-Schwarz eingefärbten Bahnhof und spürt immer noch Bedauern. Das Bedauern, jetzt in den Zug nach München steigen zu müssen, statt in die S-Bahn zum Stadion. Bedauern, nicht im Stadion zu sitzen, wenn der Club weiter am Traum von Europa arbeitet.

Keine skeptischen Gesichter mehr am Bahnhof, Nürnberg ist eine fröhliche Fußballstadt geworden. Man gibt offen zu, ins Stadion zu gehen, und immer mehr gehen mit. Es wurde aber auch Zeit.

Früher war Cottbus immer ein ganz gefährliches Team, mit dem der Club um den Abstieg kämpfte. Heute können sie dankbar sein, dass die Jungs gnädig waren, und es bei einem 1:0 belassen haben.

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Im Zug…

Meine Jugend gleitet vorbei. Langsam lasse ich sie hinter mir. Wieder einmal.

Bekannte Häuser, vertraute Straßen. Der Zug streift sie kurz, um sie gleich darauf meinen Augen zu entreissen. Bäume, denen der karge Boden nur ein mattes Grün gönnt, winken zum Abschied. Flankiert von trostlosen Winterskeletten mühen sie sich, als Abglanz eines Waldes zu wirken.

Flache Felder funkeln in der fränkischen Februarsonne. Unbestellt holen sie Atem , ehe im Frühjahr wieder alle Kraft von ihnen abverlangt wird. Fast könnte man sie lächeln sehen, in ihrem Winterschlaf. Vertraute Wege, vielfach mit dem Rad befahren, grüßen als Zeichen des Abschieds.

Eintauchen in die Nacht des ersten Tunnels. Als das Licht zurückkehrt, fühle ich mich fremd. Die Heimat weicht zurück. Ein letztes Lächeln für die Jugend.

Dann wende ich mich ab.

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Um mal nicht zu philosophieren…

Das folgende ist besonders für mariachi, carlo und mich lustig. Der Titelsong unserer gemeinsamen Tour de France.

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Mal wieder an gsoffn,
die Entscheidung war droffn,
mim Radl nach Chateau,
und dann gem mer recht o.

Wie immer ka Frau ghabt,
drum es Fahrrad bestieng,
auf nach Frankreich,
und zwar gedieng.

Mir treten wie die Ochsn,
bergauf und bergab,
die Pedale krachen,
die Muskeln machen schlapp.

Abends gabs Nudeln
a amal an Reis,
a Colaweizen,
als Siegespreis.

Mir ham Spaß!

Der Blick schweift in die Ferne,
Gedanken ans Ziel.
Hoffnung auf das Ende,
doch Kilometer sinds viel.

Und abends die drei Chaoten,
auf dem glann Raum,
des is net grad lustig,
des is a Alptraum.

Schweißerte Trikots,
stingerte Schou,
im Bett Essensreste,
des bringt kan aus der Rou.

Statt ner Gutnachtgschicht
schmarr mer recht viel.
Net grad philosophisch,
eher recht debil.

Mal radeln wie die König,
mal radeln wie in Trance,
ja des is der Radsport,
des is die Tour de France.

Regen, Wind, Fieber, mal a diggs Knie,
is worscht, was soll der Geiz,
des grieng mer scho hi.
So brenner bloß die Muskeln, die Sonne leider nie.

Mir ham Spaß!

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Engel

Wir können fliegen.
Sanft umschlossen uns deine starken Schwingen,
ein Schutz vor der Kälte, die die Welt uns entgegenbläst.

Du bautest ein Nest aus Güte und Barmherzigkeit
und führtest uns zurück,
wann immer wir Geborgenheit brauchten.

Selbstlos schwebtest du leise über uns in dunkler Nacht,
leuchtetest den Weg und
hieltst den prasselnden Regen von uns ab.

In dein Herz nahmst du uns auf,
gabst uns Raum und Energie,
warst die Quelle, der Antrieb, das Gewissen.

Du trugst Gott in deinem Herzen
und ließt ihn strahlen,
funkeln, wie einen Diamanten.

Nun da du gesehen hast,
dass wir fliegen können,
hast du das Nest verlassen.

Nicht nur Vögel haben Flügel.

Auch Engel!

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zur Beerdigung meiner Oma 2006

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Von 2004…

Man sagt, wir würden weiser.
Doch nehmen mit dem Alter nicht
nur die Zweifel zu?

Man sagt, wir würden ruhiger.
Aber gehen uns nicht nur die
Gelegenheiten verloren?

Man sagt, wir sollten erwachsen werden.
Aber möchte nicht jeder an der Jugend festhalten,
solange es geht?

Müssen wir uns das Leben schwerer machen,
als es eh schon ist?

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Leben

Das habe ich grad gelesen: “Leben ist, was uns zustösst während wir uns etwas ganz anderes vorgenommen haben.”

Wie wahr, wie wahr…

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